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28.07.2017 - 25.09.2017

Verblüffendes "Kabinett des Unbekannten"

Wenn man selbst ein Museum aufbauen könnte, wären möglichst viele ungewöhnliche, erstaunliche und sehenswerte Dinge wohl für viele Menschen die naheliegendesten Ausstellungsobjekte. Es gibt aber ein Haus, das schon auf diese Weise gesammelt hat und bei dem der Bestand mit zunehmendem Alter wohl immer skurriler erscheint. Auf jeden Fall ist er sehenswert, und jetzt eröffnet auch noch eine neue Ausstellung, bei der schon der Name neugierig macht: das"Kabinett des Unbekannten".

Die Rede ist vom "Werkbundarchiv - Museum der Dinge" in der Kreuzberger Oranienstraße, einem Museum der Produktkultur des 20. und 21. Jahrhunderts, das von der industriellen Massen- und Warenproduktion geprägt ist. Kern der Institution ist das Archiv des Deutschen Werkbundes, einer 1907 gegründeten wirtschaftskulturellen "Vereinigung von Künstlern, Architekten, Unternehmern und Sachverständigen", die als Teil der utopischen Kulturtendenzen zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine Lebensreform anstrebte. Hermann Hesse beschrieb den Werkbund 1912 so: "Im Deutschen Werkbund arbeiten Künstler mit Handwerkern und Fabrikanten zusammen und zwar gegen den Schund zugunsten der Qualitätsarbeit. (...) Es handelt sich um den Geschmack als moralische Angelegenheit, aber Moral ist hier gleichbedeutend mit Volkswirtschaft."

Das Werkbundarchiv - Museum der Dinge zeigt und dokumentiert nun die Hinterlassenschaften des Werkbundes in einem "Offenen Depot" und in Ausstellungen, jetzt also im "Kabinett des Unbekannten". Es gibt schließlich nichts Interessanteres als Unbekanntes. Durchsteckschlüssel sind dafür ein Beispiel. Es gibt sie nur in Berliner Altbauten, und wer einen hat, verleiht ihn gern an Besucher - die kommen damit nämlich anfangs oft nicht zurecht. Man kann den Schlüssel mit zwei Bärten, wenn man damit eine Tür geöffnet hat, nämlich nur auf der anderen Seite der Tür wieder herausziehen und die Haustür bleibt verschlossen.
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Der Durchsteckschllüssel: Ein verwirrendes Teil, wenn man es nicht kennt. Foto: Clemensfranz/wiki

Nun ist der Schlüssel nur ein Objekt von vielen, die man oft nicht ganz versteht, aber ein Museum will ja auch Wissen vermitteln. Das wiederum möchte das Werkbundarchiv eigentlich einschränken, mit seinem partizitiven Ansatz in der Nachbarschaft aber doch wieder ausweiten. Man liest die Erklärungen am besten bei den Verfassern in der Ausstellungsbeschreibung nach. Viel anzusehen gibt's auf jeden Fall.

 


Zur Umkreissuche   Anschrift
Werkbundarchiv - Museum der Dinge
Oranienstraße 25
10999 Berlin - Friedrichshain-Kreuzberg
 
Telefon:  030 92106311
Telefax:  030 92106312
Email:  info@museumderdinge.de
URL:  www.museumderdinge.de
 
 
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