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29.04.2017 - 02.07.2017

Die Hufelandstraße: eine lebenswerte Ecke mit Geschichte

Die Zeit eingefangen von Harf Zimmermann

Betrachtet man die Fotografien aus der Hufelandstraße, die jetzt im Amerikahaus gezeigt werden, so könnte man glauben, man wäre in einem historischen Museum. Harf Zimmermann hat die Menschen und ihr Umfeld Mitte der 80er Jahre erkundet, und seitdem hat sich dort fast alles verändert. "Die Straße ist schöner als erwartet, aber auch fremder", kommentierte Joachim Gauck den jetzigen Zustand. "Sie liegt im alten Osten - doch der ist aus ihr gewichen."

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Frau Töpfer und ihr Enkel René in der Einraumwohnung - diese 1986 entstandene Aufnahme wirkte wohl damals schon auf alle Nicht-DDR-Bürger etwas archaisch. Alle Fotos: Harf Zimmermann / C|O Berlin

Harf Zimmermann eröffnet uns jedoch einen faszinierenden Blick in die Vergangenheit, und das verdanken wir seiner Diplomarbeit, mit der er sein Fotografie-Studium in Leipzig 1987 abschloss: Sie trug denselben Titel wie die jetzige Ausstellung, "Hufelandstraße 1055 Berlin", und er fotografierte dafür Häuser und Menschen der Straße, in der er von 1981 bis 1991 wohnte. Er zog dafür ein Jahr lang von Haus zu Haus, besuchte die Bewohner und die Läden und schuf eine sehr genaue Beschreibung des Quartiers. Er entdeckte geräumige Altbauwohnungen, großzügig verzierte Hausflure, Flügeltüren und Parkett sowie viele kleine Geschäfte und Werkstätten. Und er zeigte die bröckelnden Fassaden und das überall sichtbare eintönige Grau, dem die weit bunteren Bewohner gegenüberstanden. "Zimmermanns zurückhaltende, aber keineswegs unbeteiligte Dokumentation von Architektur und Menschen ist ein einzigartiges Zeugnis des Sozialismus am Vorabend seines Zusammenbruchs", schreiben die Ausstellungsmacher völlig zurecht.

Hufelandstr_Fam.jpg Beate und Matthias mit Patchworkfamilie, Weihnachten 1986 - hier verweisen weniger die Menschen als die Wohnungseinrichtung auf die Zeit.

Dass die Bilder aus der Hufelandstraße heute auch den innerstädtischen Strukturwandel und die rasante Gentrifizierung nach der Wende perfekt bebildern, stimmt allerdings ebenso. Von den fotografierten Menschen lebt fast niemand mehr in der Straße, die Gebäude sind saniert und die Mieten hoch und Spuren der Geschichte muss man in Büchern oder Ausstellungen suchen, nicht in der Straße. Nostalgische Gefühle können bei manchen also aufkommen, die Aufnahmen sind einfach ein einzigartiges soziokulturelles Dokument einer sich rapide verändernden Stadt.

Noch ein Wort zur Technik: Harf Zimmermann fotografierte mit hölzernen Plattenkameras, die teilweise so alt waren wie die Häuser an der Hufelandstraße und er benutzte eine Linhof-Kamera aus den 1930er-Jahren, Format 9x12cm. Die Außenaufnahmen sind meist schwarzweiß und lenken den Blick auf das Wesentliche, die Familien in ihrem privaten Umfeld wurden in Farbe porträtiert. Zur Ausstellung erscheint eine Publikation im Steidl Verlag mit einem Essay von Joachim Gauck.

Harf Zimmermann gehörte 1990 übrigens zu den Gründungsmitgliedern der Fotoagentur Ostkreuz, der er zehn Jahre angehörte. Seine Fotografien waren schon in Zeitungen und Zeitschriften wie Stern, GEO, Merian, ZEIT, New York Times Magazine, New Yorker, TIME und vielen anderen zu sehen.Hufelandstr_Wild.jpg
In mancher Hinsicht hatte man es in Prenzlauer Berg besonders gut: Es gab noch privat geführte Geschäfte mit einem für DDR-Verhältnisse erstaunlichen Angebot und mit vollen Schaufenstern. Und es hat manches bauliche Detail die Zeiten überstanden (unten). Fotos: Harf Zimmermann / C|O BerlinHufelandstr_Hof.jpg

 
Eintritt:  10/6 Euro 


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