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06.10.2017 - 15.01.2018

Jeanne Mammen. Die Beobachterin

Retrospektive (1910 bis 1975)

Irgendwie sind Ausstellungen immer besonders interessant,. wenn sie einem Künstler vrostellen, die man nicht kennt, deren Bilder man mit großer Wahrscheinlichkeit aber schon gesehen hat. In der Berlinischen Galerie ist gerade so eine Schau angelaufen, hier wird die Zeichnerin und Malerin Jeanne Mammen (1890-1976) vorgestellt, "eine der sperrigsten und schillerndsten Figuren der jüngeren, deutschen Kunstgeschichte".

Die Berlinerin lebte in unruhigen Zeiten und hielt sie auch auf ihre Weise fest. Zu sehen sind in der jetzigen Retrospektive ihre wohl bekanntesten Arbeiten aus den 1920er Jahren, aber auch ihre "entarteten" Experimente werden gezeigt und ihre Ausflüge ins Abstrakte. Jeanne Mammens Bilder spiegeln nämlich immer irgendwie die Zeiten, in denen sie arbeitete, und das auf vielfältige Art, was 170 in 60 Jahren entstandeneArbeiten belegen. Etwa 50 Gemälde bilden den Schwerpunkt der Ausstellung, daneben sind aber auch Aquarelle, Zeichnungen, Illustrationen, Karikaturen, Filmplakate und Skulpturen zu sehen, alles von Zeitdokumenten gerahmt.
Jeanne_Mammen_fl.jpgJeanne Mammen um 1930 in Berlin, unbekannter Fotograf, © Förderverein der Jeanne-Mammen-Stiftung e.V., Berlin

Jeanne Mammen kam 1890 auf die Welt und wuchs in Berlin und Paris auf. Bereits mit 16 Jahren startete ihre künstlerische Ausbildung in Paris, Brüssel und Rom, mit dem Ersten Weltkrieg führte ihr Lebensweg aber wieder nach Berlin zurück - in Frankreich lebende Deutsche wurden damals enteignet und ausgewiesen. Ihre wirtschaftlich schwierige Situation besserte sich dank künstlerischem Erfolg erst Mitte der 20er Jahre, 1933 folgten aber wieder Karriereende und materielle Not. Erst nach Ende des Krieges kehrte die Künstlerin in die Öffentlichkeit zurück. Jeanne Mammen starb im April 1976.

Jeanne Mammen_Sie repräsentiert_1928_Ausschnitt.jpgDas Bild "Sie repräsentiert" (Privatbesitz/ Ausschnitt) malte Jeanne Mammen um 1928.
© VG Bild-Kunst


In der Ankündigung der Ausstellung schreibt man Jeanne Mammen die Züge eines Chamäleons zu - sie habe immer die unterschiedlichen Kunst-Strömungen aufgesaugt und auf eigene Art weiterentwickelt. In jungen französischen Jahren habe sie sich einen effektvollen Symbolismus und Ästhetizismus zu eigen gemacht, in Berlin belieferte sie den boomenden Zeitungs- und Zeitschriftenmarkt mit eleganten Modeillustrationen und geistreichen Karikaturen, erst im Stil der Neuen Sachlichkeit und später in schroffem Realismus. Gleichzeitig habe Mammen kein Milieu und keine Erfahrung gescheut: "Sie suchte geradezu die Begegnung mit urbaner Frivolität oder krasser Armut, mit glamourösen Zeitgenossen oder Figuren am Rand der Gesellschaft. Oft lag ein schöpferischer Fokus auch auf der Darstellung des damals revolutionären Typus der unabhängigen 'Neuen Frau'". Aber wie auch immer, sie fasste die 20er Jahre auf eine Weise in Bilder, die bis heute unsere Vorstellung von der Zeit mitbestimmt - und das ist eine hervorragende Leistung.

Auf die Zeit von Lebenslust und Inflation, Luxus und Weltwirtschaftskrise folgten für Jeanne Mammen Jahre der Isolation. 1937 konnte sie die Pariser Weltausstellung besuchen, wo Picassos Guernica zu sehen war, und dieses Bild mit seiner Reaktion auf Gewaltherrschaft beeinflusste sie so, dass sie sich erst heimlich, nach 1945 offen an futuristisch-abstrakten Bildexperimenten versuchte. Nach Bühnenbildern fürs Nachkriegskabarett und einem kurzen Wiedereinstieg als Pressezeichnerin malte sie nur noch, meist Masken und Marionetten, Flächen, Symbole und Rätsel. Sie hatte wohl genug Wirklichkeit abgebildet.



 


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