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22.03.2018 - 17.06.2018

"Berliner Realismus. Von Käthe Kollwitz bis Otto Dix"

Rau, ruppig und politisch unbequem: Kurz vor der Wende vom 19. ins 20. Jahrhundert begann die Berliner Kunstszene, sich mehr um die nicht so erfreulichen Dinge des Lebens zu kümmern, und als Wilhelm II. Hauptmanns Weber als "Rinnsteinkunst" diffamierte, weckte er erst recht den Widerstand kulturinteressierter Menschen. Hatte man vorher meist historisch bedeutsame Momente festgehalten, so wandten sich zum Beispiel die Künstler der Berliner Secession um 1900 sozialen Themen zu, und das wurde eine solche Breitenbewegung, dass sich der sozialkritische Realismus zu einer eigenen Berliner Kunstepoche entwickelte. Die neue Ausstellung im Bröhan-Museum zeigt interessante Beispiele für diesen künstlerischen Realismus aus den 1890er bis zu den 1930er Jahren.
Bröhan_kollwitz-arbeiter-vom-bahnhof-kommend-1.jpgKäthe Kollwitz malte die "Arbeiter vom Bahnhof kommend (Prenzlauer Allee)" um 1899. Foto: Käthe Kollwitz Museum Köln

Die armseligen Lebens- und Wohnverhältnisse der Arbeiterschaft haben Hans Baluschek, Käthe Kollwitz oder Heinrich Zille eindrücklich festgehalten, sie zeigen Armut, Hunger und soziales Elend in einer äußerlich glanzvollen Zeit. Der Erste Weltkrieg und die Abdankung des Kaiserreichs bewirkten eine zweite Generation der Berliner Realisten: Otto Dix, George Grosz oder Otto Nagel ergriffen nicht Partei für den kleinen Mann, sie kritisierten zunehmend politisch die gesellschaftlichen Missstände der Weimarer Republik und nutzten dafür auch neue Techniken wie Collagen und Fotomontagen. Krieg, Revolution, Kapitalismuskritik, soziale Ungleichheit und Prostitution waren immer wiederkehrende Motive, Sozialkritik war fast immer spürbar.

sander-berliner-kohlentrager-1.jpgBild rechts: Aus einer anderen Zeit wirkt der "Berliner Kohlenträger" nicht, August Sander fotografierte ihn 1928. Foto: Galerie Berinson, Berlin © VG Bild-Kunst, Bonn 2018

Die Ausstellung integriert auch fotografische Positionen und zeigt, wie es der ab 1926 aufkommenden Arbeiterfotografie gelingt, die Lebensumstände der unteren Gesellschaftsschichten aus einer selbst gewählten Perspektive zu dokumentieren. Die Solidarität der Künstler zeigt sich ganz konkret an Werken, die für die "Internationale Arbeiterhilfe" entstanden. Als Beispiele des proletarischen Films werden "Mutter Krausens Fahrt ins Glück" und "Kuhle Wampe oder: Wem gehört die Welt?" zu sehen sein.

Zu sehen sind fast 200 Gemälde, Grafiken und Fotografien, darunter zahlreiche Leihgaben. Ab Herbst 2019 wird die Ausstellung im Käthe Kollwitz Museum Köln gezeigt.

"Berliner Realismus. Von Käthe Kollwitz bis Otto Dix" ist der zweite Teil einer Ausstellungseihe zur Malerei aus dem Umfeld der Berliner Secession. Im Frühjahr 2019 folgt abschließend "Skandale - Mythen - Moderne. Die Vereinigung der XI in Berlin".
Eröffnet wird die Ausstellung am Mittwoch, 21. März, um 19 Uhr.
Es gibt ein umfangreiches Begleitprogramm.
Bröhan_bottger-steglitz-aufruhr.jpgDer Gebrauchsgrafiker Bruno Böttger-Steglitz malte seinen "Aufruhr" 1924, in einer Zeit, in der sich die reparationsgeplagte deutsche Wirtschaft nach Ende der Inflation und Einführung der Rentenmark eigentlich wieder beruhigte. Foto: Stiftung Stadtmuseum Berlin

Bröhan_dix-lustmord-1.jpgIn Anlehnung an den Titel der Ausstellung hier noch ein besonders gruseliges Kunstwerk: Otto Dix radierte den "Lustmord" in seinem Zyklus "Tod und Auferstehung" 1922 - vier Jahre nach dem Krieg. Foto: Otto Dix Stiftung Vaduz, © VG Bild-Kunst, Bonn 2018
 
URL:  http://www.broehan-museum.de/aktuelles/berliner-realismus-von-kathe-kollwitz-bis-otto-dix/


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