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18.02.2017 - 23.04.2017

Fotografierte Überwachung

neue Ausstellung im C|O Berlin

Überwachung und Fotografie sind zwei Dinge, die gut zusammenpassen - das Medium wird nicht umsonst von denen häufig genutzt, die aus den unterschiedlichsten Gründen etwas oder jemand überwachen. C|O Berlin zeigt im Amerika-Haus nun eine Ausstellung, bei der es andersrum funktioniert: Beobachtet wird die Überwachung, ihre Methoden und die Möglichkeiten, sie anzuwenden.

Und die werden schon durch die technische Entwicklung immer zahlreicher. Die Zahl der Videokameras wächst, und auch wenn es politisch diskutiert wird, erhoffen sich viele Menschen dadurch mehr Sicherheit. Die Werbung wird immer mehr von Algorithmen gesteuert und im Internet wird einem meist angeboten, was man sich mal angesehen hat. Der Staat will immer mehr Vorratsdaten speichern (schon das Wort ist vielsagend) und als Speicherplatz werden heimische Aufbewahrungsorte, auf die man vielleicht noch aufpassen kann, immer häufiger durch "Wolken" ersetzt, durch clouds. Eine permanente Beobachtung und Data Sharing gehören mittlerweile ganz selbstverständlich zum Alltag. Wir nutzen sie - in Google Maps, Live-Streams, vielen Apps, den sozialen Medien etc. - und wir werden auch genutzt. Dass unser Privatleben dadurch immer öffentlicher wird, akzeptieren die meisten - es herrschen ideale Zustände für eine immer weitere Ausdehnung der Überwachung.

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Florian Mehnert gab in seiner
Installation"Waldprotokolle" den Menschen ein praktisches Beispiel für die Abhör-Problematik: Er zeichnete in Wäldern Gespräche von Spaziergängern auf und veröffentlichte sie anschließend. Nutzer der Transitstrecken durch die DDR konnten die technischen Einrichtungen auf den Parkplätzen früher nicht so gut wahrnehmen - sie waren besser versteckt. Ein Beispiel hier. Foto: c|o Berlin, © Florian Mehnert

Nun werden Menschen heute auf sehr vielfältige Weise beobachtet, an der Fotografie kann man aber besonders gut erkennen, wie Überwachung funktioniert - weshalb in der Ausstellung besonders bei der Fotografie und den visuelle Medien der Frage nachgegangen wird, wie man selber und wie die Öffentlichkeit, die Kunst und die Medientheorie mit der Überwachungsgesellschaft und ihren Folgen umgehen. Schon die Tatsache, dass noch nie so viel fotografiert und beobachtet wurde wie heute, wirft die Frage auf, ob dies denn freiwillig geschieht. Und Lenins klarer Grundsatz, dass Kontrolle wichtiger ist als Vertrauen, wurde ja auch noch nicht aufgegeben.

In der Ausstellung versuchen nun Arbeiten von etwa 20 Künstlern auf diese Problematik zu reagieren. Vertreten sind junge, aufstrebende künstlerische Positionen wie zum Beispiel von Julian Röder, Viktoria Binschtok oder Esther Hovers ebenso wie international anerkannte Positionen von Hito Steyerl, Trevor Paglen, Jill Magid, Hasan Elahi, Paolo Cirio, Adam Broomberg & Oliver Chanarin, James Bridle oder Ai Wei Wei. Alle bedienen sich der verfügbaren Techniken und hinterfragen die Balance zwischen gewünschter Sicherheit und Überwachung, diskriminierender Kontrolle und Kriminalisierung.

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In seiner Reihe Mission and Task stellt Julian Röder dar, dass Grenzen immer mehr aus Daten und Informationen bestehen als aus Zäunen. Die Aufnahme zeigt Ausrüstung der europäischen Grenz- und Küstenwache EBCG, die früher als Frontex bezeichnet wurde. Foto: c|o Berlin, © Julian Röder

Bei der Ausstellung arbeiteten die Hasselblad Foundation, die Valand Academy, die Kunsthal Aarhus und C/O Berlin zusammen.

Eine begleitende Publikation enthält Kunstwerke von vierzig Künstlern und wissenschaftliche Aufsätze. Sie wurde erst im November vom Time Magazine in der Kategorie "Best Photobooks of 2016" ausgezeichnet: Watched! Surveillance, Art & Photography, 2016, 296 Seiten, 38 Euro.

C/O Berlin und die Deutsche Börse Photography Foundation veranstalten mit Experten aus verschiedenen Fachdisziplinen eine Vortragsreihe zum Thema Überwachung.
Nächste Termine:
Do 30.03.2017 . 20:30 Uhr. Sicher Unsicher mit Dominik Haubrich
Do 20.04.2017 . 20:30 Uhr. Seeing Machines mit James Bridle

Ausstellungseröffnung ist am Freitag, 17. Februar 2017, um 19 Uhr.

 
Eintritt:  10/6 Euro 
URL:  http://www.co-berlin.org/watched-surveillance-art-photography-0


Zur Umkreissuche   Anschrift
C/O Berlin Foundation . Amerika Haus Berlin
Hardenbergstrasse 22 - 24
10623 Berlin - Charlottenburg-Wilmersdorf
 
URL:  http://www.co-berlin.org/
 
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