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03.03.2017 - 05.06.2017

Vermisst: Der Turm der blauen Pferde

Zeitgenössische Künstler auf der Suche nach einem verschollenen Meisterwerk

Franz_Marc_Turm_der_blauen_Pferde_Repro_300dpi.jpgFranz Marc malte den Turm der blauen Pferde 1913, seit 1945 ist das Zwei Meter hohe Ölbild verschollen.
Foto:
Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin © bpk - Bildagentur für Kunst, Kultur und Geschichte

Auch achtzig Jahre nach seinem Verschwinden ist der Turm der blauen Pferde noch immer Gegenstand der Spekulation. Das Haus am Waldsee und die Staatliche Graphische Sammlung München wollen gerne daran mitwirken und haben zwanzig zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler von internationalem Rang eingeladen, sich mit der Geschichte des Gemäldes zu beschäftigen. Mit Bildern und Skulpturen, Videos Fotos, Installationen und Texten sind sie inzwischen Gerüchten nachgegangen und fragen, warum so lange geschwiegen wurde. Sie beleuchten das Schicksal des Künstlers und thematisieren das Verschwinden. Und sie entwerfen Geschichten, die mögliche Szenarien durchspielen, meist nach dem Motto: so oder ganz anders hätte es sein können ... Die (Fake-?)Ausstellung will also den Geheimnissen rund um den Turm der blauen Pferde auf den Grund gehen. Die Ergebnisse kann man nun in Zehlendorf und in München begutachten.

Die Geschichte des Bildes ist ausgesprochen spannend. Es gehörte der Nationalgalerie und hing seit 1919 im Kronprinzenpalais, bis es die Nazis 1937 in der Ausstellung "Entartete Kunst" ausstellten. Dort wurden die Werke von Franz Marc nach einer Woche aber wieder entfernt, nachdem der Deutsche Offiziersbund sich darüber beschwert hatte, dass in der Ausstellung Bilder von einem in Verdun gefallenen Frontsoldaten gezeigt würden. Der Turm der blauen Pferde wurde aber nicht wie die anderen "entarteten" Bilder in der Schweiz verkauft, sondern mit zwölf weiteren Gemälden von einem der einflussreichsten Politiker des NS-Regimes erworben, von "Reichsfeldmarschall" Hermann Göring.

Seit dem Kriegsende ist der Turm der blauen Pferde verschollen, und wo es verblieben sein könnte, darüber gab es viele Vermutungen. Das Bild sei im Keller der Dienstvilla von Hermann Göring am Leipziger Platz gelagert worden und habe im Preußischen Staatsministerium beziehungsweise in Carinhall gehangen, hieß es. Drei Personen wollen das Gemälde nach Kriegsende auch noch gesehen haben. So gab der Kunsthistoriker und ehemalige Reichskunstwart Edwin Redslob an, es habe sich im Haus am Waldsee befunden, dem früheren Sitz der Reichsfilmkammer. Der Journalist Joachim Nawrocki will dem Bild etwa 1948/49 in einem Jugendheim nebenan begegnet sein. Und egal, wie glaubhaft diese Aussagen einzuschätzen sind, sie wurden bis in die 1970er Jahre von der Fachwelt einfach weitgehend verschwiegen - ein Umstand, der von den Künstlern der neuen Ausstellung natürlich gerne aufgegriffen wurde.

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Blick in die Ausstellung Foto: Roman März


Was auch immer mit dem Bild passiert ist, der Turm der blauen Pferde zierte nicht nur Jugendbücher und war noch im aktualisierten Brockhaus von 1937 farbig abgebildet, das Gemälde gilt als eines der Hauptwerke des deutschen Expressionismus und als zentrales Werk des Blauen Reiters. Es soll daher nicht nur "einen prominenten Platz in unserem kulturellen Gedächtnis" bekommen, wie die Künstlerische Direktorin der Kulturstiftung des Bundes Hortensia Völckers bemerkte, die Ausstellung sei auch "eine Investition in die Hoffnung auf Wiedergewinnung des Gemäldes", meinte Dr. Martin Hoernes, der Generalsekretär der Ernst von Siemens Kunststiftung, die die Ausstellung unterstützt.

Teilnehmende Künstler in Berlin sind Martin Assig, Norbert Bisky, Birgit Brenner, Johanna Diehl, Marcel van Eeden, Julia Franck, Arturo Herrera, Christian Jankowski, Via Lewandowsky, Rémy Markowitsch, Tobias Rehberger und Peter Rösel. In München sind Arbeiten von Viktoria Binschtok, Dieter Blum, Tatjana Doll, Slavomir Elsner, Jana Gunstheimer, Almut Hilf, Thomas Kilpper, Franz Marc und Dierk Schmidt zu sehen.

Es erscheint ein Katalog in Deutsch und Englisch. Die Doppelausstellung wird 2018 durch das Museum Boijmans Van Beuningen in Rotterdam übernommen.


 
Eintritt:  7/5 Euro, Familien 10 Euro 
URL:  http://www.hausamwaldsee.de


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Argentinische Allee 30
14163 Berlin - Steglitz-Zehlendorf
 
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Email:  info@hausamwaldsee.de
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