Home

24.06.2017 - 26.06.2017

48 künstlerische Stunden

Neukölln lädt wieder zu seinem Jahres-Festival

Im Norden Neuköllns, also in der angesagten Gegend, in der es früher mal günstige Wohnungen gab, lebt eine große Anzahl von Menschen, die auf irgendeine Art künstlerisch aktiv sind. Fast alle haben dabei nur mäßig Erfolg, aber einmal im Jahr bietet sich ihnen die Möglichkeit, einem zahlreichen Publikum zu begegnen - bei den "48 Stunden Neukölln", einem Kunst-Festival, das so chaotisch zusammengewürfelt ist, dass man dabei immer Überraschungen erlebt, enttäuschende ebenso wie erfreuliche.

48h_16_my_halle_.jpg
Das Schöne an den 48 Stunden Neukölln ist, dass man immer neue Dinge in bisher unbekannten Locations entdecken kann. Diesmal ist die zentrale Ausstellung "Into the Light" in der 5. Etage der Ganghoferstraße 12 zu finden, gegenüber vom Stadtbad Neukölln. Das aus einem mp4-Filmchen gezogene Bild stammt aus dem vergangenen Jahr. F: my.


Die Zahlen des Kunstfestivals "48 Stunden Neukölln" lesen sich gut: Vom 23. bis 25. Juni beteiligen sich rund 1.200 Künstlerinnen und Künstler an gut 250 Orten, etwa 60 Projekträume und Ateliers offnen auch ihre Türen und präsentieren ihr Programm. Es gibt Führungen in deutscher, englischer und italienischer Sprache und sogar geführte Touren für Gehörlose, die Neuköllner Kiezkultur soll schließlich möglichst weit verbreitet werden.

Angekündigt werden die 48 Stunden als ein Festival, das Kunst zu aktuellen gesellschaftlichen Themen präsentiere und natürlich alle Bevölkerungsgruppen fördere. Besonders gefördert wird aber wohl die örtliche Kneipenszene und der Touristenstrom, der sich an dem langen Wochenende noch besser unterhalten sieht als sonst. "Diskursive, partizipative und interdisziplinäre Ansätze stehen daher im Vordergrund", wird das in der Ankündigung formuliert. Dass viele Kunstprodukte auch ihre Produktionsbedingungen widerspiegeln, merkt man, wenn man sich mit den Angeboten auseinandersetzt, und das ist oft gerade das Interessante an einem Besuch.

Stürzen wir uns also in die chaotischen 48 Stunden Neukölln und versuchen, einige der oft ungewöhnlichen Orte zu finden, in denen Kunst produziert und gezeigt wird. Auf der Seite 48-stunden-neukoelln.de findet man die wichtigsten Angaben, auch wenn einen Tag vor Beginn der 48 Stunden dort nur eine Pressemeldung zu finden war - die vom vorigen Jahr. Aber gezeigt werden soll ja, wie trotz schwieriger Bedingungen respektable Dinge produziert werden oder, wie es in den Ausführungen über das Leitbild des Festivals heißt: "Offene Entwicklungsprozesse und kreative Diskurse werden ohne Vorbehalte verwirklicht und stärken so den Innovationscharakter des Festivals".

Das Angenehme an der Veranstaltung ist neben seiner Unübersichtlichkeit aber auch die spürbare Einbindung aller Beteiligten, der Kunstschaffenden, der Besucher und der Anwohner. Das macht den Charme der 48 Stunden aus und nebenbei entstehen Netzwerkstrukturen, die immer neue Auflagen des Festivals ermöglichen. In diesem Jahr werden sich viele Beteiligte aber wohl mit dem vorgegebenen Festivalthema "Schatten" beschäftigt haben, was wahrscheinlich wieder lokale Bezüge hat. Zur assoziativen Betätigung machen einem die Organisatoren jedenfalls eindeutige Vorschläge: "Ereignisse können ganze Zeitalter überschatten" oder "Menschen können zum Schattendasein verdammt sein". Immerhin könne im Schatten aber auch "jenseits der Gesellschaft Neues entstehen" - ist ja beruhigend.

Das Programm findet man hier, und wenn die Sonne scheint, sind Schatten ja auch angenehm. my



 
URL:  http://48-stunden-neukoelln.de


Zur Umkreissuche   Anschrift
Neukölln
Karl-Marx Straße
12055 Berlin - Neukölln
 
 
 
Rock&Pop Tickets bei www.eventim.de