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01.12.2017 - 26.03.2018

Schon mal von echten Streichholz-Monstern gehört?

Ausstellung "Lumomonsterologie" im Werkbundarchiv

Streichholzschachteln wurden schon von vielen Kindern gesammelt - vor allem in der DDR, wo das VEB Zündwarenwerk in Riesa sehr viele unterschiedlich aussehende Schächtelchen produzierte. Nicht begegnet sein dürfte einem aber bisher eine Sammlung von ungewöhnlichen Streichhölzern, und genau die wird zurzeit im Werkbundarchiv gezeigt, das heißt ja auch schon Museum der Dinge ...

Streichhölzer_F_Armin_Hoffmann.jpgGenau bezeichnet wird die Sammlung eines Menschen namens Peter Herbert als "Lumomonsterologie" und sie umfasst 15 Insektensammelkästen mit 814 "nicht der Norm entsprechenden" Zündhölzern (von insgesamt ca. 2.800 Exemplaren). Erstaunlich ist aber schon die Art, in der die Sammlung aufbewahrt ist und wie ihre Entstehung in 1980er Jahren in der DDR dokumentiert wurde. Wie lustig das Ganze ist, wissen natürlich auch die Aussteller und sie haben ihre Mitteilung schon so geschrieben, dass wir sie hier nur wiedergeben:

"Zündhölzer waren schon zu Zeiten, als sie noch massenhaft in Gebrauch waren, beliebte Ausgangsmaterialien für Konstruktionen, die sich im Sinne von Gustav Pazaureks Geschmacksverirrungen im Kunstgewerbe (1909) als Materialpimpeleien bezeichnen lassen, also ein ebenso bekannter wie verschriener Werkstoff für Hobbybastler. Sich mit Zündhölzern zu beschäftigen, lag daher sozusagen in der Norm, ja war geradezu der Inbegriff des Harmlosen - jedoch alles andere als normal, wenn man sie nicht bestimmungsgemäß verbrauchte oder als Bastelmaterial verwendete, sondern sie unter normativen Gesichtspunkten in Augenschein nahm.

Denn wenn die Qualität der Produkte des VEB Zündwarenwerke Riesa und anderer Produktionsstätten in der DDR schon vom Volksmund mit der scherzhaften Ausdeutung von "VEB" als "Vorsicht, eins brennt" charakterisiert wurde, so war es eindeutig außerhalb der Normalität, Zündhölzer, die nicht den Kriterien der für ihre Produktion aufgestellten Norm - der TGL 3907 der VVB Leichtchemie, Berlin, vom 30.06.1971 - entsprachen, genauer zu untersuchen.

Genau dies hat der Berliner Peter Herbert, der jetzt in Neulewin im Oderbruch lebt, seit 1982 getan: Er sammelte "Zündholzabnormitäten". Dabei ging es dem Museologen und Entomologen allerdings nicht um eine Kritik an der Zündwarenproduktion. Vielmehr erweckte die Vielzahl und Vielfalt der individuellen Abweichungen von der Normalform, die sich in den Streichholzschachteln fand, seine Leidenschaft als Sammler; und so begann er, sie mit seinem entomologisch trainierten Blick zu unterscheiden und in einer Taxonomie (nach Familien, Untergruppen und Arten) zu klassifizieren. Dass auf diese Weise eine Sammlung entstand, die sich Jedermann selbst anlegen und die allenfalls zu intellektueller, jedoch nicht zu materieller Bereicherung führen konnte, also ein echt sozialistisches Unternehmen war, das die individuelle Art als Basis hatte: Diese (kultur)politische Dimension seiner Arbeit war Peter Herbert gerade recht und erklärt seine große Anstrengung, ein Bestimmungsbuch der Streichholzabnormitäten zu erarbeiten, das zu dieser Ausstellung nicht nur in einer handkolorierten Vorzugsausgabe, sondern in neuer Volksausgabe vorliegt. Dass der Lumomonsterologie trotz nachdrücklichen Bemühens die behördliche Anerkennung versagt blieb, kann allerdings nicht verwundern."

Klingt, als ob sich ein Besuch lohnen würde.
 
URL:  http://www.museumderdinge.de/ausstellungen/lumomonsterologie-eine-streichholzsammlung-aus-der-ddr


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