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14.12.2017 - 17.12.2017, 20:00 Uhr

Volk unter Verdacht

Dokumentarisches Musiktheater von Ulrike Ruf

Misstrauen, Kollaboration, Weigerung und Aufbegehren: Nichts war in der DDR so geheim und so folgenschwer wie die Arbeitsweise der Staatssicherheit. Unzählige Mitarbeiter und Informanten trugen Datenmengen zusammen, deren Hinterlassenschaft heute einen Einblick in das perfide System "Stasi" gibt. Das dokumentarische Musiktheaterstück "Volk unter Verdacht" der Regisseurin Ulrike Ruf und der Komponistin Iris ter Schiphorst setzt sich anhand von Originaldokumenten aus Archiven der Stasiunterlagen-Behörde (BStU) mit dem DDR-Apparat auseinander.
Verdacht.jpg Hier war die Beobachtung offensichtlich schon bekannt ... Foto: © BStU, MfS, HA XX, Fo, Nr. 43

Im Zentrum stehen Auszüge aus den dokumentarisch-literarischen Erinnerungsprotokollen aus der Haft des Dissidenten Jürgen Fuchs. Zusammen mit Dokumenten der Stasi-Akten verdeutlichen sie die Brisanz der massenhaften Überwachung für den einzelnen Menschen und zeigen, wie die Arbeitsweise der Stasi ein Klima von Angst und Misstrauen schuf. Als 15-köpfiger Chor bildet das Vocalconsort Berlin die Gesellschaft zwischen Individuum und Kollektiv ab. Der Chor interagiert musikalisch und szenisch mit den projizierten Originalvideos und -tondokumenten sowie mit den Kompositionen von Iris ter Schiphorst. Das Publikum erfährt sich selbst sowohl in Täter- als auch Opferposition, wenn es die Perspektive eines Stasi-Mitarbeiters einnimmt oder den bohrenden Fragen eines Vernehmers ausgesetzt ist. In einem partizipativen Prozess verhandelt "Volk unter Verdacht" die Tragweiten und gesellschaftlichen Auswirkungen der systematischen Überwachung in der DDR - und lenkt den Blick gleichzeitig auf die heutige Alltäglichkeit massenhafter Datensammlung.

Ulrike Ruf arbeitet als Musikerin, Autorin und Regisseurin im Grenzbereich zwischen Musik, Performance und Theater. In ihren interdisziplinären Musiktheaterformaten verwebt sie Klang, Sprache und Video mit minimalistischer Choreographie.

Iris ter Schiphorst ist als Komponistin durch ihre langjährigen Erfahrungen als Musikerin geprägt: im klassischen Bereich als Pianistin sowie in unterschiedlichsten Rock- und Popformationen als Bassistin, Schlagzeugerin, Keyboarderin und Tontechnikerin. Ihr Werkverzeichnis umfasst alle Gattungen, darunter 13 große Orchesterwerke, die von namhaften Orchestern im In- und Ausland zur Uraufführung gelangten, sowie mehrere abendfüllende Musiktheaterwerke und diverse Filmmusiken, seit den späten 1980er Jahren auch eine ganze Reihe multimedialer Arbeiten. Ihre vielbeachtete Kinderoper "Die Gänsemagd" (2009) wurde mit großem Erfolg in Wien, Berlin und an der Oper Zürich aufgeführt. Ihr Orchesterwerk "Gravitationalwaves" (mit Uros Rojko), uraufgeführt 2016 bei den Proms in der Royal Albert Hall London, wurde von der Kritik begeistert aufgenommen. Ihr semi-theatrales Orchesterwerk "Das Imaginäre nach Lacan" für Darstellerin, Orchester und Live-Elektronik mit Salome Kammer in der Hauptrolle (Dirigent: Ilan Volkow, Regie: Helga Utz) ist im November 2017 im Konzerthaus Wien uraufgeführt worden. Iris ter Schiphorst ist Mitglied der Akademie der Künste Berlin und seit 2015 Professorin für Medienkomposition an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien.

Das Vocalconsort Berlin gilt als einer der besten und flexibelsten Chöre Deutschlands. 2003 gegründet und damit der jüngste der drei Profichöre Berlins, hat das Vocalconsort keinen Chefdirigenten, sondern arbeitet projektweise mit unterschiedlichen Dirigenten, aber vor allem mit festen künstlerischen Partnern zusammen. Letzte Projekte: Monteverdis "L'Orfeo" unter René Jacobs bei den Innsbrucker Festwochen, Haydns "Vier Jahreszeiten" unter Christopher Moulds in Rotterdam, Bernsteins "A Quiet Place" unter Kent Nagano und Peter Ruzickas "Inseln, Randlos" unter Leitung des Komponisten. 2017 eröffnete das Vocalconsort Berlin mit Sasha Waltz & Guests in einer choreografischen und musikalischen Raumerkundung die Elbphilharmonie Hamburg.

Die Produktion von Ulrike Ruf wird vom Hauptstadtkulturfonds Berlin gefördert. Dank an Lilo Fuchs, den Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR und an die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen.

Beginn ist bei der Uraufführung am 14. Dezember sowie am 15. und 16. Dezember um 20 Uhr, am Sonntag, 17. Dezember um 18 Uhr.
Auftaktveranstaltung am Donnerstag, 14. Dezember, 18.30 Uhr:
Jürgen Fuchs - seine Gedichte, sein Leben
Helmuth Frauendorfer spricht mit Lilo Fuchs, Roland Jahn und Hubertus Knabe über Leben und Werk von Jürgen Fuchs.

 
Eintritt:  18 | 20 | 24 | ermäßigt 14 
URL:  http://www.radialsystem.de/rebrush/rs-programme-monatsuebersicht_neu.php?id_event_date=14933392&language=de_DE


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