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23.02.2018, 19:00 Uhr

Filmabend: "Die Garnisonkirche - Protokoll einer Zerstörung"

"Die Garnisonkirche - Protokoll einer Zerstörung" heißt ein 60-minütiger Dokumentarfilm, den der Potsdamer Regisseur Kurt Tetzlaff 1991 drehte, also in einer Zeit, in der das ideologisch geschönte Potsdamer Stadtbild nicht mehr als "zukunftsorientiert" galt und in der die Idee eines Wiederaufbaus der Kirche noch nicht umstritten war. Er interviewte Befürworter wie Gegner des Kirchenneubaus und fragte nach den Hintergründen der Entscheidung zum Abriss. Mithilfe seltener Farbaufnahmen aus dem Vorkriegs-Potsdam führt Kurt Tetzlaffs Film auch vor Augen, welcher Verlust der Stadt zugefügt wurde. Das Filmmuseum zeigt den Dokumentarfilm und gratuliert dem in Potsdam lebenden Dokumentarfilmregisseur zum 85. Geburtstag.

Garnisonkirche_Potsdam_1827_Carl_Hasenpflug.jpgDie Garnisonkirche, 1827 gemalt von Carl Hasenpflug (Ausschnitt, Wiki Commons). Vor der Kirche führt die Breite Brücke über den alten Stadtkanal, der damals entlang der heutigen Dortustraße an der Kirche vorbeiführte. Er wurde 1962 bis 65 zugeschüttet.

Um den lange währenden Streit um den Wiederaufbau der Kirche muss man einen Blick in die Geschichte werfen. Friedrich Wilhelm I. ließ sie 1730 bis 1735 in der Mitte seiner Residenzstadt für die Angehörigen des Hofstaats und der Garnison bauen und wurde 1740 auch in der Gruft bestattet, ebenso sein Sohn Friedrich II. ("der Große") 1786. Besucht wurde die Kirche unter anderem von Zar Alexander I. und Napoleon und 1809 tagten hier auch die ersten frei gewählten Stadtverordneten. Sie war auch noch kirchlich von Bedeutung - Reformierte und Lutheraner fanden 1817 hier zusammen - und sie galt als ein Zentrum der Kirchenmusik. Die Garnisonkirche gilt mit ihrem fast 90 Meter hohen Turm als ein Hauptwerk der barocken Kirchenarchitektur in Mitteleuropa und war eines der Wahrzeichen der Stadt.

Die lange Diskussion um die Wiedererrichtung gründete vor allem auf dem 21. März 1933, dem Tag, als in der Garnisonkirche der Festakt zur konstituierenden Sitzung des Reichstages stattfand - nach dem Reichstagsbrand hatte man Ersatz gesucht. Die nationalsozialistische Propagande bezog aus einem Handschlag des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg höhere Weihen für Hitler und erklärte einen "Tag von Potsdam". Für die DDR wurde die Garnisonkirche dadurch zu einem "Symbol des deutschen Militarismus". Wobei hier erwähnt werden sollte, dass einige der Hitler-Attentäter des 20. Juli 1944 aus dem Infanterie-Regiment 9 zur Garnisonkirchgemeinde zählten, darunter Henning von Tresckow.

Drei Wochen vor Kriegsende, am 14. April 1945, brannten nach einem Luftangriff das Innere des Kirchenschiffs und der Turm aus. Bis 1968 fanden in einem Raum des Turmes noch Gottesdienste statt und man hatte erste Wiederaufbauarbeiten begonnen, doch dann wurde die Ruine auf Beschluss der SED gesprengt.

Seit 2004 setzten sich eine Fördergesellschaft und die Stiftung Garnisonkirche Potsdam für den Wiederaufbau ein, Bürgerinitiativen und Aktionsbündnisse lehnten ihn aus christlichen, geschichtlichen, politischen und/oder kulturellen Gründen ab. Die Bundesregierung stufte die Garnisonkirche 2013 als national bedeutendes Kulturdenkmal ein und erklärte, den Wiederaufbau fördern zu wollen. Die Landessynode und der Rat der evangelischen Kirche sagten 2016 zinslose Darlehen zu. Bundespräsident Steinmeier übernahm 2017 die Schirmherrschaft für den Wiederaufbau und im Oktober vorigen Jahres begann man mit der Errichtung des Turmes, der nach brandenburgischem Baurecht bis 2020 fertiggestellt sein muss. Planungen für das Kirchenschiff, über dessen Nutzung noch gestritten wird, sollen erst beginnen, wenn der Turm fertig ist.

Karten für den Dokumentationsfilm können unter Tel. 0331-27181-12 oder per Mail an ticket@filmmuseum-potsdam.de reserviert werden.

 


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